Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu

 201611 katzen futterstelle

2 Millionen!!! herrenlose Katzen gibt es schätzungsweise in Deutschland!

Südländische Verhältnisse mittlerweile auch bei uns!

 

Warum das so ist, erklären wir gerne. Sollte jemand der Meinung sein, dass es keine Streunerkatzen gibt, "weil die schon irgendjemandem gehören werden", darf uns gerne mal nachts bei unserer Arbeit begleiten. Da kommt das Elend zum Vorschein. Kranke und verletzte Katzen, die tagsüber den Menschen scheuen und sich deshalb versteckt halten, suchen erst bei Dämmerung nach Futter. Ihnen muss geholfen werden! Mittlerweile sind die Streunerkatzen ein Schwerpunkt unserer Arbeit geworden. Obwohl es schon viele Vereine und private Helfer gibt, schaffen wir die Flut an Streunerkatzen nicht vollständig in den Griff zu bekommen.

Wir können gar nicht genug Helfer sein, die sich um die Betreuung und Kastration der verwilderten Hauskatzen kümmern.

 

Warum gibt es überhaupt Streunerkatzen?

Streunerkatzen fallen nicht einfach von Himmel. Eine Katzenpopulation entsteht schleichend. Meist stammen sie von einer unkastrierten Hauskatze, z. B. häufig von einem Bauernhof. Manchmal werden Hauskatzen beim Umzug zurückgelassen, weil davon ausgegangen wird, dass sie eine Katze wunderbar selbst versorgen kann. Oder sie werden schlicht und ergreifend ausgesetzt. Woher die Streunerkatzen stammen, bleibt meist im Verborgenen. Zweimal im Jahr paaren sich Katzen und es kommen 2-6 Jungen zur Welt.  Da diese wiederum nicht kastriert werden, geht es munter weiter mit der Vermehrung.  Werden es dann an einer Stelle zu viele, kapseln sich einige ab und gründen so an einem anderen Ort eine weitere Population. Ganz nach dem Schneeballsystem.

Hinzu kommt die falsch verstandene Tierliebe von Menschen, die Streuner zwar füttern aber wiederum nicht kastrieren. Entweder fehlen die finanziellen Mittel oder sie finden keine Unterstützung. Leider werden herrenlose Katzen erst im Frühjahr gemeldet, wenn die Katzen bereits wieder trächtig sind und somit eine Kastration sich als schwierig entpuppt, weil man auf viele andere Dinge achten muss. Es könnten irgendwo bereits Kitten geboren worden sein. Wenn man dann die Mütter einfängt, könnten die Kleinen jämmerlich verhungern oder anderen Tieren zum Opfer fallen.

Darum ganz wichtig: Bitte herrenlose Katzen SOFORT beim Ordnungsamt, Veterinäramt oder Tierschutzvereinen melden!  Denn nur so kann nachhaltig vorgegangen werden.

 

Warum Kastrationspflicht?

Streunerkatzen leiden ...

Katzenbesitzer, die ihre unkastrierten Katzen frei herumlaufen lassen, verursachten eine ungehinderte Vermehrung von Katzen, die zu Nachteilen für Mensch und Tier führt.

Nachteile für das Tier:

  • Der Nachwuchs der unkastrierten Katzen wird vielfach ausgesetzt, sich selbst überlassen oder von bereits herrenlosen Katzen abstammt und selbst wieder herrenlos ist.
  • Unterernährung bis zum Verhungern sowie ein hohes Infektionsrisiko mit lebensbedrohlichen Erkrankungen (Katzenleukose, Katzenschnupfen, FIP). Sie verenden jämmerlich mit Schmerzen irgendwo in der Kälte.
  • Die trotz dieser Erkrankungen überlebenden Tiere verwildern und vermehren sich, sodass das Leiden der Tiere fortgesetzt wird. Mit der Zunahme der erkrankten Katzen steigt auch die Gefahr von Erkrankungen für bisher gesunde Freigängerkatzen.
  • Eine hohe Katzendichte führt dazu, dass Kleinsäuger, insbesondere Vögel, bis zur Hälfte ihrer Brut verlieren.
  • Die Katzenüberproduktion führt auch zu einer Zunahme an tierquälerischer Haltung, weil vermehrt Katzen in inkompetenten Händen landen, mit der Folge, dass die Tiere unter Inanspruchnahme behördlicher Hilfe wieder aus den Haushalten geholt werden müssten, was aber häufig zu spät erfolgt, sodass oft nur kostenspielige Tierarztkosten diese Tiere rettet oder schlimmstenfalls eingeschläfert werden müssen.

Eine hohe Population von verwilderten Hauskatzen berechtigt Jäger den Abschuss (über 500.000 Katzen jährlich). Darunter kann allerdings auch eine geliebte und schmerzlich vermisste Hauskatze sein, tierquälerische Entsorgung von unerwünschtem Nachwuchs, wie ertränken oder erschlagen. Das verstößt im Übrigen gegen das Gesetz!

§ 1 Tierschutzgesetz:

„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Die Nachteile für den Menschen:

  • Einige Infektionserreger könnten (auch durch Mutationen) auf den Menschen übertragen werden und dort ebenfalls zu Erkrankungen führten. Ausscheidungen der zahlreichen Katzen stellen eine hygienische Zumutung für z. B. Kinderspielplätze, Gemüsegärten, Parks, Liegewiesen.

Dank des intensiven Engagements von Aktion Tier hat Paderborn als erste Stadt in Deutschland im Jahr 2008 eine entsprechende Kastrations-und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Privatkatzen ab dem 5ten Monat erlassen, welche bereits nach kurzer Zeit messbare Erfolge verzeichnete. Über 90 Städte und Gemeinden sind inzwischen dem Beispiel gefolgt, weitere wollen nachziehen. Österreich und Belgien machen es vor. Seitdem 01.01.2005 ist die Katzenkastration in Österreich Pflicht. Dort sind Tierhalter, insbesondere landwirtschaftliche Betriebe, Reiterhöfe vonseiten der Bundesebene verpflichtet, ihre Katzen kastrieren zu lassen.

Ziel ist der Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsgefahren wie auch der Schutz der streunenden Katzen, der Schutz der mit ihnen in Berührung kommenden Hauskatzen und der Schutz anderer Tiere vor Schmerzen und Leiden; dieses Ziel ist sowohl einfachgesetzlich als auch in Art. 20a GG verankert. (Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung. Art. 20a GG)

Katzen – und insbesondere verwilderte Hauskatzen – sind dämmerungsaktiv! Was tagsüber gesichtet wird, sind im Normalfall Freigänger/Hauskatzen. In der Nacht kommt das wahre Ausmaß zum Vorschein. Geschätzte 2 Millionen!!! wilde Katzen leben in Deutschland.

Vorteil für Kommunen:

  • Entlastung der Versorgungskosten in Tierheimen (die Tierheime sind überfüllt),
  • Einnahme durch Bußgelder beim Verstoß gegen die Kastrations-und Kennzeichnungspflicht,
  • Entlastung der Veterinärämter (z. B. Herausholen von Katzen aus tierquälerischer oder aus immer häufiger auftretenden „Animal Hoarding“ Haushalten,
  • Entlastung der Veterinärämter, z. B. bei Übernahme der Kastrationskosten im Falle einer angezeigten Streunerkolonie.

Dass die Kastrationspflicht nicht nur Streuner betrifft, zeigt die Geschichte von Merlin.

Mein Name ist Merlin. Ich wurde von meiner Mami, gerade 6 Monate alt in einer Wohnung geboren. Meine Mami war sehr krank, sie hatte Katzenschnupfen. Mein Papi auch, denn er wohnte ja auch bei uns. Es ist nicht gut gewesen, dass meine Eltern sich als Geschwister gepaart haben. Denn sie haben uns eine Krankheit und durch die Inzucht noch eine angeborene Immunschwäche vererbt. Ihre Besitzer hatten sie weder tierärztlich behandeln noch kastrieren lassen.

Meine 3 Geschwister und ich konnten uns bereits im Bauch unserer kranken Mami nicht richtig entwickeln und wachsen. Wir kamen schon krank auf die Welt! Katzenschnupfen ... wir bekamen so schlecht Luft und hatten total infizierte Augen, hatten schlimmen Durchfall. Wir drohten, dadurch das Augenlicht zu verlieren.

Immer noch kümmerte sich unsere Besitzerin nicht um uns. Eine tierliebe Besucherin schaffte es, uns dort rauszuholen, um uns medizinisch versorgen zu lassen. Unser Leben hing, als wir 4 Wochen alt waren, am seidenen Faden. Waren wir doch durch den schlimmen Infekt unterentwickelt und verwahrlost.

Mein Bruder Leon starb nach 2 Wochen Kampf gegen die Erkrankung in den Armen von unserer Pflegemami. Ich habe es überstanden, nach vielen Tierarztbesuchen und Medikamenten. Habe auch schön zugenommen und Spaß am Leben gefunden; war nicht mehr so schwach und konnte mit den anderen spielen.

Ich wurde der Sonnenschein der Familie!

Als wollte ich alles aufholen, was mir durch meine schwere Krankheit verwehrt geblieben war. Aber ich konnte dadurch kein stabiles Immunsystem aufbauen. Ich bekam einen Rückfall!

Zwei Wochen lang kämpften meine Pflegemami und die Tierärzte um mein kleines Leben, das noch gar nicht richtig begonnen hatte. Sie haben um mich gebangt. Sie haben gehofft. Nachts über meinen Schlaf gewacht, mich in ihren Armen gehalten, mir Wärme und Liebe gegeben und mussten doch miterleben, wie meine Kräfte immer mehr nachließen. Bis ich irgendwann nicht mehr konnte ...

… und ich meinem Bruder Leon über die Regenbogenbrücke gefolgt bin ...

Meine Pflegemami und mein Pflegepapi haben mich neben Leon begraben und mir versprochen, dass sie in meinem Namen kämpfen werden. Kämpfen, dass mir nicht so viele Katzenbabys folgen müssen ...

Katzenbabys, die aus einem „Ups-Wurf“ entstehen, aus Gleichgültigkeit, aus Verantwortungslosigkeit ...

Merlin hätte diesen Leidensweg nicht gehen müssen, wenn ihre Besitzer verantwortungsbewusst gehandelt hätten. Als Herbstkätzchen hat er die warme Frühlingssonne, die grünen Wiesen, die Schmetterlinge und das Toben im Freien nicht mehr miterleben können.

Merlin ist mit 6 Monaten gestorben ...

Run free, kleiner Mann!